Club von Berlin
Club von Berlin
16. Januar 2020
Nikolaus Piper: "Das Drama der Weltwirtschaft"

Salongespräch

Misstrauen gegenüber einer vielfach als entfesselt empfundenen Markwirtschaft eint in Deutschland heute Linke wie Rechte, Kirchen wie Gewerkschaften. Weltweit sind nationalistische „illiberale Demokratien“ auf dem Vormarsch. Die großen Konzerne des digitalen Zeitalters setzen ihre eigenen Regeln. Die Folgen sind häufig alarmierend. Emanzipation oder neues Untertanentum? – so lautet eine der politischen Kernfragen der Gegenwart. Wie soll es weitergehen mit der EU, dem Nationalstaat, der Globalisierung – mit uns? Sind Trump, Brexit und Unternehmen wie Apple, Amazon und Google Ausdruck einer neuen Art von Freiheit? Oder hat die Freiheit als neo-liberales Politprojekt alle Formen von Gemeinschaft so zugrunde gerichtet, dass wir in Wahrheit längst anders unfrei sind – Opfer unserer Daten und ökonomischen Abhängigkeit?

Der Wirtschaftsjournalist und Buchautor Nikolaus Piper (*1952) setzt dagegen. Er beruft sich auf die Wurzeln des Neoliberalismus und plädiert für eine liberale Erneuerung: Gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Freiheit gehören zusammen. Von 2007 bis 2014 war Piper Korrespondent für die SZ in New York und verfolgte von dort den Verlauf und die weltweiten Folgen der Finanzkrise. 2019 erschien seit letztes Buch: „Wir Untertanen – Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken“ im Rowohlt Verlag.

03. Februar 2020
Dr. h.c. Joachim Gauck, Bundespräsident a.D.: "Toleranz - einfach schwer"

Vortrags- und Gesprächsabend
„Toleranz – einfach schwer“ ist der Titel des im Juni erschienenen Buches, dass Dr. h.c.  Joachim Gauck in Zusammenarbeit mit der Publizistin Dr. Helga Hirsch verfasst hat. In der Publikation kommt zum Ausdruck, wie wichtig es Joachim Gauck ist, mit seinen Überlegungen Position zu beziehen. Die Gesellschaft, in der wir leben, ist offener geworden, aber auch zunehmend uneinheitlicher. Die Lebensentwürfe und Wertvorstellungen werden vielfältiger. Die Formen der Auseinandersetzungen jedoch über Richtiges und Falsches, über „politisch Korrektes“ werden schärfer, oft kaum mehr zumutbar. Mit vorher nicht gekannten Hassäußerungen sehen sich immer mehr Menschen konfrontiert.

Der Autor fragt, wie viel Andersartigkeit müssen wir in der Politik und im Alltag dulden? Welche gemeinsamen Regeln müssen bei aller Verschiedenheit unbestreitbar gelten? Wie behalten wir bei allen berechtigten Einzelinteressen das Gemeinwohl im Blick? Wie ist es möglich, dass sich auch die, die einer Minderheit angehören oder eine Mindermeinung vertreten, einbezogen fühlen? Eine Tugend, die überlebenswichtig zu werden scheint, ist die Toleranz. Nicht andere Meinungen zu verteufeln, sondern ihnen argumentativ zu begegnen. Joachim Gauck plädiert für eine kämpferische Toleranz, die von der Bereitschaft zu verstehen und zu überzeugen geleitet wird, aber auch nicht ausschließt, dass die Grenze zur erklärten Intoleranz klar aufgezeigt wird.


24. Februar 2020
Dr. Valentin v. Massow und Christoph Heinrich: "Der WWF - Strategien und Herausforderungen einer aktivistischen Nicht-Regierungsorganisation"

Salongespräch

Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) werden von der Weltbank definiert „als private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Öffentlichkeit zu vertreten, die Umwelt zu schützen, grundlegende soziale Dienste zu leisten oder Aktionen für Entwicklungsvorhaben zu initiieren“ (Wikipedia).

Das klingt gut. Doch es gibt auch Kritik an den NGOs: das Fehlen einer demokratische Legitimation, zu enge Zusammenarbeit mit Unternehmen oder sogar mit Partnern, gegen die wegen grober Menschenrechtsverletzungen ermittelt wird. Wie kann sich hier eine NGO überzeugend positionieren? Wie schützt sie ihre Integrität? Wie betreibt sie Krisenmanagement?

Wir wollen diese Fragen anhand des WWF (World Wide Fund For Nature) diskutieren, einer der größten internationalen Natur- und Umweltschutzorganisationen. Seine Ziele: Erhalt der biologischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und Eindämmung von Umweltverschmutzung/schädlichem Konsumverhalten. Der WWF hat seit seiner Gründung (1961) weltweit 11,5 Milliarden US-Dollar in über 13.000 Projekte investiert.

Dr. Valentin v. Massow ist seit 2016 Vorsitzender des Stiftungsrates des WWF Deutschland und Vizepräsident des Boards von WWF International. Er hat in Göttingen Landwirtschaft studiert und dort auch promoviert. Nach langjähriger Tätigkeit für die Boston Consulting Group, zuletzt als Managing Partner in Indien, nimmt er heute Aufgaben in Aufsichtsräten verschiedener Unternehmen im In- und Ausland wahr.

Christoph Heinrich verantwortet als Mitglied der Geschäftsleitung des WWF die Arbeit für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Seine Schwerpunkte liegen in den Tropen und gemäßigten Breiten, sowie in Deutschland. Nach den Studien der Rechtswissenschaften und Geographie in Gießen begann Christoph Heinrich seine berufliche Laufbahn beim NABU, für den er auf Bundesebene bis 2004 den Fachbereich Naturschutz und Umweltpolitik leitete.


09. März 2020
Carl-Albrecht Bartmer und Ludolf v. Maltzan: "Die Zukunft der Landwirtschaft in ökologisch bedrängten Zeiten"

Salongespräch

Glyphosat und Pestizide, Überdüngung und Artenschutz, Treibhausgase und Klimaschutz, Erzeugung von Nahrungsmitteln und regenerativen Energien, Digitalisierung und Großmaschineneinsatz, Agrarsubventionen und Betriebesterben, Überproduktion und Welternährung, Agrarfonds und Ökobetriebe, Massentierhaltung und In-vitro-Fleisch - das sind nur einige Stichworte aus der oft leidenschaftlich geführten Diskussion über die Gegenwart und Zukunft der Landwirtschaft und unserer Ernährung. Gibt es Anzeichen für eine ökologische und sozialverträgliche Wende in diesem auch ökonomisch so bedeutsamen Bereich unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens? Wie könnte eine solche Wende aussehen? Und wie lässt sie sich praktisch realisieren?

Carl-Albrecht Bartmer ist studierter Landwirt und bewirtschaftet seit 1991 einen ca. 1000 Hektar großen Agrarbetrieb in Sachsen-Anhalt. Von 2006 bis 2018 war er Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), heute ist er ihr Aufsichtsratsvorsitzender. Unter seiner Ägide hat die DLG „10 Thesen zur Landwirtschaft 2030“ entwickelt, um den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft zu fördern und auch gegensätzliche Pole zusammenzuführen.

Ludolf v. Maltzan ist Diplom-Landwirt und seit 2006 Mehrheitsgesellschafter und Ge-schäftsführer aller Betriebe des Ökodorfes Brodowin in Brandenburg. Das Ökodorf Brodowin hat über 100 fest angestellte Mitarbeiter, ca. 50% davon sind Frauen. Es werden landwirtschaftliche Produkte nach Demeter-Standards erzeugt. Das Dorf hat diverse Auszeichnungen für seine Produkte und für das sozial-ökologische Engagement erhalten.

nach oben