Club von Berlin
Club von Berlin

Der Club von Berlin wurde am 8. Oktober 1864 als Gesellschaft mit dem Zweck „der geselligen Vereinigung und Unterhaltung ihrer Mitglieder“ gegründet. Der vornehme englische Herrenclub war das Vorbild.

Am 24. August 1891 erwarb der Club von Berlin durch Allerhöchste Kabinettsordre die Rechte einer juristischen Person. Er war ein Verein alten Rechts (vor dem BGB) und führte nicht den Zusatz „e.V.“. Kurze Zeit später errichtete der Club von Berlin das Clubhaus Jägerstraße/ Ecke Mauerstraße und eröffnete es mit einem Festmahl am 1. November 1893.

Bei der Gründungsgeneralversammlung am 8. Oktober 1864 zählte der Club bereits 179 Mitglieder, 1925 waren es 673. Die Namenslisten des Clubs enthielten Persönlichkeiten u.a.

aus der Wirtschaft:

Geheime Kommerzienräte Bleichröder, Conrad, Hansemann, Gelpcke, Borsig und Mendelssohn; (Gründungs-)Direktor der Deutschen Bank Georg von Siemens und Fabrikbesitzer Dr. Werner von Siemens

aus Staat und Politik:
Minister Camphausen, Dr. Delbrück (Bismarcks rechte Hand), Walter Rathenau und Dr. Gustav Stresemann, Vizekanzler Karl Helfferich, Vizepräsident des Kammergerichts und späterer Kultusminister von Mühler, Oberbürgermeister Hobrecht, Gouverneur von Bennigsen, Staatssekretär der Kolonien Dernburg, Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts von Herrmann und Drews, kaiserlich russischer Staatsrat Basilius von Timiriaseff

 

aus der Kunst:
Maler Oscar Begas, Becker, Gropius, Gussow und Passini, Bildhauer Reinhold Begas, Schrifsteller David Kalisch und Komponist Richard Strauß

aus den freien Berufen:
Architekten Kayser und von Groszheim, Journalisten Paul Lindau und John Bashford (Daily Telegraph) und

aus der Wissenschaft:

Chirurg Ferdinand Sauerbruch, Ohrenspezialist Lucae.

„Primus inter pares" des ersten fünfköpfigen Direktoriums war von 1864 bis 1877 Lauchlan MacLean (*1805, +1879), Ministerialdirektor und Chef der Abteilung für öffentliche Bauten im Preußischen Handels-Ministerium (Titel „Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat" mit dem Prädikat „Exzellenz"), zuständig u.a. für den Bau des Reichstagsgebäudes; Abgeordneter des Preußischen Landtages von 1850 bis 1855 für den Wahlkreis Memel-Heidekrug, den späteren Wahlkreis Moltkes.

Das Clubleben war geprägt durch seinen geselligen Charakter: Der Club hielt eine umfangreiche Bibliothek, einen Weinkeller, ein exquisites Restaurant, Spielsalons und eine Kegelbahn bereit. In diesem Rahmen war der Club eines der Zentren des informellen Gedankenaustausches zwischen Wirtschaft, Politik, Kunst und Wissenschaft in Berlin.

 

1937 fusionierte der Club von Berlin mit dem Deutschen Klub und nannte sich nun Deutscher Klub von Berlin. Der Deutsche Klub war aus dem Deutschen Herrenklub hervorgegangen, einer Gründung der neokonservativen Bewegung aus den 20er Jahren. Im gesellschaftlichen Leben Berlins zur Zeit des Dritten Reiches spielte der Club keine prominente Rolle mehr.  

1945 übertrug die sowjetische Militäradministration das Clubhaus auf den Bund der Kulturschaffenden, den späteren Kulturbund der DDR, der hier seine Zentrale hatte. Im November 1949 wurde das Haus enteignet und in Volkseigentum überführt.

Der Deutsche Klub von Berlin setzte seine Aktivitäten nach 1945 in West-Berlin fort. Er hatte am Kurfürstendamm eigene Räume und veranstaltete alle zwei Wochen Vortragsveranstaltungen auf hohem Niveau. Die Zahl der Mitglieder ebenso wie die Aktivitäten des Clubs nahmen wegen Alter, Krankheit und Tod von Mitgliedern in den 70er und 80er Jahren deutlich ab. Zum Ende der 80er Jahre war der Mitgliederbestand auf ca. 25 Mitglieder geschrumpft, darunter Hermann J. Abs und Johannes Zahn.

Mit der deutschen Wiedervereinigung erhielt der Club von Berlin grundlegend neue Perspektiven.

Auf Veranlassung von Altmitgliedern wurde im Jahr 1992 ein Notvorstand bestellt. Seit dem 1. November 1993 gibt es eine beschlussfähige Mitgliederversammlung und einen ordentlichen Vorstand. Der Club erhielt wieder seinen alten Namen „Club von Berlin“. Er gab sich ein zeitgemäßes Selbstverständnis, eine neue Satzung und die Drei Regeln des Clubs von Berlin, und er ließ weibliche Mitglieder zu. Der Club tritt seither vor allem mit Vortragsveranstaltungen im gesellschaftlichen Leben Berlins in Erscheinung.

Nachdem der Gebäudekomplex an der Jägerstraße 1949 zu „Volkseigentum“ erklärt worden war, ging er nach der Wiedervereinigung — ohne Entschädigung — in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland über und wurde im September 1998 von der Freien und Hansestadt Hamburg erworben.

   
 

Die heutigen Räumlichkeiten des Clubs sind von der Freien und Hansestadt Hamburg gemietet und befinden sich im Eckgebäude Jägerstraße 1, das mit einer gründerzeitlichen Putzfassade versehen ist. Das angrenzende Hauptgebäude der Landesvertretung Hamburgs ist durch eine historische helle Sandsteinfassade gekennzeichnet, die im Innenhof zu einer Neo-Renaissance-Fassade mit glasierten Ziegeln und rotem Sandstein wechselt.

Im Frühjahr 2004 hatte der Club von Berlin 313 Mitglieder. Im Juni 2004 wurde er in das Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen und im August 2004 vom Finanzamt für Körperschaften als gemeinnützig anerkannt.